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Zwei Mails von einem ehemaligen Schüler der GHS Eitorf

 

 

Ehemaliger Schüler Robin

 

Hier lesen Sie zwei Mails von einem ehemaligen Schüler der GHS Eitorf, der seit dem Sommer 2010 sehr erfolgreich in den USA arbeitet. Die gesamte GHS Eitorf freut sich über so erfolgreiche Schüler und wir hoffen, dass uns noch viele ähnliche Mails erreichen.

 

From: "Robin T.
To:
Sent: Tuesday, March 01, 2011 5:11 AM
Subject: Grüße aus weit weg

Hallo Herr Schwörzer,

ich habe gehört, dass Sie sich für meinen USA Aufenthalt interessieren, bin ja mittlerweile schon 7 Monate hier und fünf weitere folgen noch.

Im August kam ich hier in Glendive, Montana, an und es war sehr heiß und ich besuchte das Dawson Community College, indem ich nur Schweißkurse belegte, einfach um mich dem fachbezogenen Englisch mehr anzunähern und um mich mit den feinen Unterschieden der Fertigung hier und in Deutschland vertraut zu machen. Mir wurde die Möglichkeit geboten ein eigenes Großprojekt zu starten - ein Umzugswagen für das College mit den Konturen eines Piratenschiffes, da das College „Home of the Buccaneers" ist, welches ich zur vollsten Zufriedenheit komplett selber plante und fertigstellte. Die ganze Schule war und ist begeistert.

Aufgrund meiner Arbeit für das College habe ich in allen belegten Kursen mit einem A abgeschlossen. Das war alles in allem eine sehr interessante Erfahrung. Am 3. Januar begann dann die Arbeitsphase. Ich habe in einem Betrieb eine Anstellung, welcher sehr viele Reparaturarbeiten für die nahe gelegenen Ölfelder erledigt. Diese sind hier das Hauptgeschäft, hinzu kommen Reparaturen aller Art meistens von landwirtschaftlichen Maschinen. Wir richten hier große Träger von "Lufkin Mark II" Ölpumpen, die immer wieder mal in sich verdreht sind, und pressen riesige Wellen mit 230mm Durchmesser in Zahnräder und Gehäuse ein.

Alles in allem ist sehr beeindruckend, nur ist die Technik, mit der wir hier arbeiten, ist sehr rückständig, da man hier Zeit genug hat und kaum Eile kennt. Z.B. sind die Krananlagen komplett im Handbetrieb und es braucht viel Zeit und Muskelkraft, ein Bauteil einfach nur anzuheben oder zu drehen. Ich lerne hier noch einiges dazu und es gefällt mir gut hier, aber ich kann es kaum erwarten, wieder zu Hause zu sein und keine Wüste und keine übertriebene Kälte zu haben. Derzeit sind es bis minus 35 Grad und im Sommer steigt das Thermometer auf bis zu 45 Grad.

Liebe Grüße aus Montana
Robin

Und grüßen Sie mir die Kollegen, die mich noch kennen.


 

From: "Robin T."
To:
Sent: Monday, March 14, 2011 4:27 AM
Subject: Re: Grüße aus weit weg

Hallo,

ja, freut mich, dass Sie sich so gefreut haben. Die Idee, die Mail auf die Homepage zu setzen gefällt mir auch sehr gut. Da kann jeder sehen, dass die Möglichkeiten auch für Hauptschüler unbeschränkt sind, wenn man denn wirklich will und sich zusammenreißt und die Situation nicht hoffnungslos ist. Die Geschichte fing an als ich im Sommer 2009 in der Mittagspause die Rhein-Sieg-Rundschau durchsah und mir einen Artikel über das Parlamentarische-Patenschafts -programm (PPP) durchlas, welches 1983 durch die Regierungen der USA und Deutschland anlässlich des 300. Jubiläums deutscher Einwanderer nach Nordamerika gegründet wurde. Es wurde für gute deutsch-amerikanische Verhältnisse, internationale Zusammenarbeit und für das interkulturelle Verständnis ins Leben gerufen. Das Programm ist speziell für junge Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung, ist in seiner Art einzigartig und es wird von beiden Regierungen stark gefördert. In dem Zeitungsartikel war ein Link abgedruckt, welchen ich mir notiert habe, um mir dann am Abend zuhause das Bewerbungsformular auszudrucken. Nachdem ich dieses abgeschickt hatte, dauerte es etwa 2 Wochen bis ich die ganzen Bewerbungsbögen und Unterlagen zugeschickt bekommen habe. Diese umfassten über 40 Seiten zum Ausfüllen , ärztliche Gutachten sowie Gutachten vom Arbeitgeber, dazu kamen noch Aufsätze mit Beweggründen und Interessen für meine Bewerbung um ein Stipendium. Und das musste alles in recht kurzer Zeit bearbeitet und in dreifacher Kopie abgeschickt werden.

Es dauerte wieder eine Weile und gegen Anfang Oktober bekam ich ein Schreiben mit einer Einladung der Austauschorganisation zu einer Auswahltagung in Bonn im November 2009. In Bonn angekommen traf ich viele nette junge Menschen, die teilweise aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren. Dort fanden Gespräche und Gruppenarbeiten sowie Geschichts- und Englischtests statt. Und man bekam die Nachricht, dass es ab nun an heißt: warten bis die Organisation eine Vorauswahl getroffen hatte und der Bundestagsabgeordnete die letzte Wahl trifft. Im Januar bekam ich dann ein Schreiben von unserer Bundestagsabgeordneten Elisabeth Winkelmeier-Becker, die mich und zwei andere aus dem Rhein-Sieg-Kreis zu einem Gespräch einlud. Das Gespräch fand am Freitag nach Weiberfastnacht im Wahlkreisbüro in Siegburg statt.

Mit meinen zwei Mitstreitern, einem Mädchen aus Dattenfeld und einem Jungen aus Troisdorf verstand ich mich prima und nach dem Gespräch wurde auch gleich noch das versäumte von Donnerstagabend nachgeholt. Am darauffolgenden Dienstag bekam ich dann einen Anruf vom Wahlkreisbüro, dass ich genommen wurde. Die Freude war riesig und der Countdown lief. Im April war ich dann zu einem einwöchigen Vorbereitungsseminar in Bad Bevensen bei Hamburg mit 24 anderen Teilnehmern eingeladen. Dort hatte man die Möglichkeit, Kontakte zueinander zu knüpfen und sich gemeinsam zu freuen, für ein Jahr in die USA zu gehen. Dort war sehr viel Programm über Geschichte, Vorurteile und kulturelle Unterschiede; schließlich übernehme ich ja auch die Rolle eines Juniorbotschafters und als solcher sollte man ja nicht gleich jedes Fettnäpfchen mitnehmen. Mein Wunsch war es, nach Montana zu kommen, weil wir in unsere Firma schon Anlagen nach Montana geliefert hatten. Im Juli erfuhr ich dann, dass mein Wunsch nach Montana zu kommen, funktioniert hatte, doch wie ich schnell feststellte nicht in den von den Rocky Mountains geprägten Westen, sondern in den von Wüste geprägten Osten. War aber nicht so schlimm, es ging ja immer noch in die USA und es ist trotzdem alles neu. Mittlerweile weiß ich, dass es für mich der bessere Platz ist, da ich mit meinen Fähigkeiten hier im Osten Montanas einfach besser aufgehoben bin.

Am 10. August ging es dann endlich los von Frankfurt nach New York. 8h Flug. In NY angekommen ging es erst mal auf Sightseeingtour; unglaubliche Dimensionen für ein „Landei" wie ich es bin.

Nach drei Tagen Aufenthalt ging es dann weiter mit dem Amtrak nach Chicago, 20h Zugfahrt. Da wird einem klar, wie riesig die USA sind und das war ja nur ein Bruchteil. Nach weiteren drei Tagen Aufenthalt in Chicago ging es von Chicago Midway Airport nach Denver und von Denver in einer 10-sitzigen Propellermaschine über Sharidan, WY, nach Glendive, Montana. Erst waren 8 Fluggäste in der Maschine und die restliche Strecke von Sharidan nach Glendive war ich der einzige Fluggast.
In Glendive wurde ich dann von meiner Koordinatorin und meinem Gastvater, von dem ich bis dahin noch nichts wusste, abgeholt. Am nächsten Tag war ich sehr froh darüber, dass jedes Gebäude über eine Klimaanlage verfügt. Sogar in dem Haus, in dem ich wohne, herrschen im Sommer tagsüber 45°C. Aber es sollte schon bald kälter werden, sehr viel kälter.

Am 18.9.2010 war ich dann vollkommen überrascht: zwei Tage zuvor hatten wir noch 35° und jetzt schneite es und es war kalt. Der Winter dauert nun schon seit Anfang Oktober und manchmal herrschen hier Temperaturen von minus 40°, wo dann das Glykol ungemischt gefriert. Die Autos verfügen hier über einen Stecker, mit dem ein kleiner Ölheizer in der Ölwanne betrieben wird, weil ohne ist hier nichts mehr zu machen. Am College, wo viele junge Leute alte Autos fahren, werden die Autos am Parkplatz gar nicht erst abgeschaltet, weil sie sonst nicht mehr anspringen. Aber langsam nähert es sich dem Frühling. Tagsüber wird es bis 5° warm, doch nachts ist es immer noch schwer kalt.

Liebe Grüße aus Glendive